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Multi Liner

Bild: Ein typischer 5-Linienspieler, der Bally 955 von 1972, interessant ist die Gehäuseform, die auf ein Oberteil verzichtet. Diese Form ist als "Low Boy" Gehäuse bekannt.


Ein anderes System, das Spiel reizvoller zu machen, war die Einführung des sogenannten Mehrlinienspiels. Gab es bis dahin nur eine einzelne Gewinnlinie, so kam 1968 mit Bally’s Modell 831 der erste Mehrlinienspieler auf den Markt. Hier konnte man auch bei Gewinnkombinationen gewinnen, die eine Position über oder unter der Center Line eingelaufen waren. Allerdings nur wenn man entsprechend viele Münzen eingesetzt hatte. Bei Einwurf einer einzelnen Münze wurde auch nur eine einzelne Gewinnlinie aktiviert, wollte man auch die anderen nutzen, so musste man für jede weitere Linie eine weitere Münze einwerfen. Die Gewinne wurden allerdings nicht erhöht, dafür die Gewinnchancen. Im Prinzip macht man auf einem Dreilinienspieler bei vollem Einsatz drei Spiele gleichzeitig. Im Laufe der Zeit kam zu den Dreilininienspielern eine weitere Variante hinzu, die Fünflinienspieler, bei denen zwei weitere Gewinnlinien, nämlich die Diagonalen, vorhanden waren.

Bild: Walzenglas eines 5-Linienspielers (Hersteller Bally Modell 955, 1972)

Bei beiden Varianten war es erstmals möglich in einem Spiel mehrere Gewinne gleichzeitig zu erzielen. Sind bei einem Fünflinienspieler alle fünf Gewinnlinien durch Einwurf der entsprechenden Anzahl Münzen aktiviert, gäbe eine Kirsche (Kirsche alleine auf einer Gewinnlinie links aussen ergibt bei den meisten Geräten 2 Münzen Gewinn) auf der obersten Linie links gibt insgesamt 4 Münzen, da sie auf zwei Linien gleichzeitig gewertet wird. Erstens auf der oberen waagerechten und zweitens auf der von links oben nach rechts unten gehenden diagonalen. Diese Gewinnweise stellte die Ingenieure allerdings vor eine Aufgabe. Da nun mehrere verschiedene Gewinne in einem Spiel möglich waren, die in der Auszahlung addiert werden mussten, benötigte man deutlich aufwendigere Auszahlhopper. Dazu muss erklärt werden, das diese Hopper über ein Schrittschaltwerk gesteuert wurden, dass beim Erreichen einer bestimmten Stellung (je nach auszuzahlendem Gewinn) stehen blieb. Durch die Möglichkeit mehrere zu addierende Gewinne in einem Spiel zu erzielen, wäre die Anzahl dieser kontrollierten Stoppunkte extrem hoch geworden, wenn man alle auftretenden Möglichkeiten berücksichtigen wollte. Man behalf sich mit einem simplen, aber genialen Trick, indem man alle Symbole auf den Walzen in sogenannte Pattern (engl: Muster) einteilte. In folgenden Beispiel wird dieser Trick am Beispiel des Bally 955 erklärt. Diese Maschine besitzt 22 Symbole pro Walze, die aus den folgenden Elementen bestehen: Kirsche, Orange, Pflaume, Glocke, Bar und "7”.

Der Gewinnplan lautet:

Walze 1 Walze 2 Walze 3 Gewinn (Münzen)
Kirsche Irgendwas Irgendwas 2
Kirsche Kirsche Irgendwas 5
Orange Orange Orange/Bar 10
Pflaume Pflaume Pflaume/Bar 14
Glocke Glocke Glocke/Bar 18
Bar Bar Bar 100
7 7 7 200*
7 7 7 2000**

*(Gewinnlinie 1-4)
**(Gewinnlinie 5)


Der Hopper eines Einlinienspielers bräuchte also sieben definierte Haltepunkte des Steppers. (Der 2000 Münzen Jackpot wird nicht vom Automaten, sondern von der Aufsicht manuell ausgezahlt.) Theoretisch kann aber ein Glockengewinn mit einem kleinen Kirschengewinn parallel einlaufen. Beispiel: Drei Glocken auf der Centerline, eine Kirsche oben links. Auszahlung bei Einwurf einer Münze und damit ausschließlicher Aktivierung der Centerline, wären dann 18 Münzen. Mit Einwurf einer zweiten Münze würde die obere waagerechte Gewinnlinie ebenfalls aktiviert, der Gewinn würde dann 18 (Glocken) plus 2 (Kirsche einfach) = total 20 Münzen betragen. Das Einwerfen einer dritten Münze hätte in diesem Beispiel keine Auswirkungen, wenn man davon ausgeht, das auf der so aktivierten dritten Gewinnlinie keine Gewinnkombination angezeigt wird. Eine vierte Münze aktiviert die diagonal von links oben nach rechts unten laufende Gewinnlinie. Da unsere Kirsche links oben im Fenster steht, ergibt sich auf dieser Linie auch ein Gewinn von zwei Münzen, Gesamtauszahlung also 18+2+2= 22 Münzen. Die Aktivierung der fünften Linie lässt unser Beispiel unverändert. Die Auszahlung bei einem Einlauf der Walzen wie im Bild oben auf dieser Seite dargestellt ist demnach 16 Münzen, 14 Münzen für den Pflaumengewinn auf Linie 2 (Oben waagerecht) plus 2 Münzen für die Kirsch auf Gewinnlinie 1(Mitte waagerecht). Man kann sich etwa vorstellen, wieviele Haltepositionen des Hoppersteppers nötig wären um alle diese Kombinationen zu ermöglichen. Man denke nur an den Fall, dass unten links im Fenster ebenfalls eine Kirsche zu sehen wäre. Der schaltungstechnische Aufwand wäre enorm. Was tut man also um dies zu verhindern? Die Lösung ist wie gesagt, recht simpel, man ordnet die Symbole einfach in einer Reihenfolge an, die einen derartigen Fall nicht zulässt. Man kann im Fenster des Automaten immer drei Symbole einer Walze sehen (Oben, Mitte, Unten). Bei 22 möglichen Stellungen der ersten Walze ergibt das 22 mögliche Walzenansichten, theoretisch! Praktisch sind es beim 955er aber nur 10 verschiedene! Eine Kirsche ist nie zusammen mit einer Glocke zu sehen, damit tritt das oben beschriebene Szenario nicht auf. Zum einfacherem Verständnis ist die Walzenbelegung des Bally 955 in der folgenden Tabelle zu sehen:

Walzenbelegung des Bally 955
#
Walze 1
Walze 2
Walze 3
1
7
7
7
2
Glocke
Pflaume
Pflaume
3
Pflaume
Glocke
Glocke
4
Orange
Kirsche
Orange
5
Pflaume
Glocke
Glocke
6
Kirsche
Orange
Pflaume
7
Pflaume
Glocke
Glocke
8
Bar
Bar
Orange
9
Pflaume
Glocke
Glocke
10
Orange
Kirsche
Pflaume
11
Pflaume
Glocke
Glocke
12
Kirsche
Orange
Bar
13
Pflaume
Glocke
Glocke
14
Bar
Bar
Orange
15
Pflaume
Glocke
Glocke
16
Orange
Kirsche
Pflaume
17
Pflaume
Glocke
Glocke
18
Kirsche
Orange
Orange
19
Pflaume
Glocke
Glocke
20
Bar
Bar
Pflaume
21
Pflaume
Glocke
Glocke
22
Orange
Kirsche
Orange

Damit ergeben sich für die verschiedenen Walzen die folgenden 3er-Muster. Unter jedem Muster ist die Anzahl des Auftretens vermerkt.

Walze 1

7
Glocke
Pflaume
Orange
Pflaume
Kirsche
Pflaume
Bar
Pflaume
Orange
Glocke
Pflaume
Orange
Pflaume
Kirsche
Pflaume
Bar
Pflaume
Orange
7
Pflaume
Orange
Pflaume
Kirsche
Pflaume
Bar
Pflaume
Orange
7
Glocke
1
1
3
3
3
3
3
3
1
1

Walze 2

7
Pflaume
Orange
Glocke
Bar
Glocke
Kirsche
Glocke
Glocke
Kirsche
Pflaume
Glocke
Glocke
Bar
Glocke
Kirsche
Glocke
Orange
Kirsche
7
Glocke
Kirsche
Bar
Glocke
Kirsche
Glocke
Orange
Glocke
7
Pflaume
1
1
3
3
3
3
3
3
1
1

Walze 3

7
Pflaume
Orange
Glocke
Pflaume
Glocke
Glocke
Bar
Glocke
Orange
Pflaume
Glocke
Glocke
Pflaume
Glocke
Orange
Bar
Glocke
Orange
7
Glocke
Orange
Pflaume
Glocke
Bar
Glocke
Glocke
Orange
7
Pflaume
1
4
4
4
1
4
1
1
1
1

Mit dieser Form der Walzenbelegung sind die möglichen Auszahlungen beschränkt und der Hopper braucht nur 13 verschieden Stoppositionen. Diese lauten (in Münzen): 2, 4, 5, 7, 10, 12, 14, 16, 18, 28, 30, 100 und 200. Auf den ersten Blick mag das unwahrscheinlich sein, ist aber nachvollziehbar. Ein 30er Gewinn setzt sich beispielsweise aus den folgenden Walzenstellungen zusammen:

Walze1:Pflaume Kirsche Pflaume

Walze2: 7 Pflaume Glocke

Walze3:Pflaume Glocke Bar

Gewinn auf Linie 2 (Kirsche) 2 Münzen, Gewinn auf Linie 4 (Pflaume Pflaume Bar) 14 Münzen, Gewinn auf Linie 5 (Pflaume Pflaume Pflaume) 14 Münzen, daraus ergibt sich ein Gesamtgewinn von 30 Münzen! Aus den Mustern ist außerdem zu erkennen, dass eine Bar-Bar-Bar oder ein 7-7-7 Gewinn niemals mit einem anderen Gewinn zusammen auftritt!

Gewinnquotenberechnung für einen 5 Linienspieler

In diesem Zusammenhang ist es recht interessant, sich einige Gedanken zur Auszahlquote eines Banditen zu machen. Die Auszahlqoutenberechnung für einen Mehrlinienspieler unterscheidet sich nur geringfügig von der eines Multipliers, die auf der Seite "Mechanische Geräte: Modifikation" gezeigt wird.

Gewinnkombinationen
Auftretenshäufigkeit
Auszahlung
Walze 1
Walze 2
Walze 3
Walze1
Walze2
Walze3
Total
Einzeln
Gesamt
Kirsche
egal
egal
3
18
22
1188
2
2376
Kirsche
Kirsche
egal
3
4
22
264
5
1320
Orange
Orange
Orange
4
3
5
60
10
600
Orange
Orange
Bar
4
3
1
12
10
120
Pflaume
Pflaume
Plaume
10
1
5
50
14
700
Pflaume
Pflaume
Bar
10
1
1
10
14
140
Glocke
Glocke
Glocke
1
10
10
10
18
1800
Glocke
Glocke
Bar
1
10
1
10
18
180
Bar
Bar
Bar
3
3
1
9
100
900
7
7
7
1
1
1
1
560
560
Stellungen ges. 22x22x22=10648
Gesamtgewinn
8696

Der Gewinn von 560 für die Kombination "7-7-7" setzt sich aus dem Durchschnittsgewinn aller 5 Gewinnlinien zusammen: (200+200+200+200+2000)/5=560

Damit ergibt sich die Auszahlquote für den Bally 955 aus folgendem Quotient: 8696/10648=0,817. Dies entspricht ca. 82%, damit gehört der 955 eher zu den "geizigen" Geräten.



   

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